Sonntag, 28. Juni 2015

Facebook löschen

Ich bin die klassische Generation, die mit MSN und ICQ aufgewachsen ist.
Freunde waren auf MySpace, doch meine erste richtige Erfahrung mit Social Media war StudiVZ.
Es dauerte noch ein, zwei Jahre, nach dem SchülerVZ und MeinVZ auf der Bildfläche erschienen und plötzlich war Social Media ein Muss.

Das erste Mal, als ich von Facebook gehört habe, war ca 2008.
Damals hatte sich mein Bruder dort angemeldet, ich war noch auf StudiVZ unterwegs.
Irgendwann sind mir meine Freunde bei StudiVZ abhanden gekommen und sind zu Facebook rübergewechselt.
Plötzlich war es ziemlich einsam im guten alten StudiVZ und obwohl ich mich so lange dagegen gesträubt habe, bin ich dann auch zu Facebook gewechselt.

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie sich mein "Leidensweg" dort entwickelt hat, aber über die Jahre war es tatsächlich eine unbewusste Belastung geworden.
Plötzlich postete man jeden zweiten Tag was man macht, wo man ist, mit wem man unterwegs ist, laded Bilder hoch, möchte Likes und Interaktionen zwischen Freunden und Bekannten haben.
Facebook baute sich immer mehr aus, immer mehr Funktionen und Möglichkeiten, dass der Nutzer schon gar keinen Überblick mehr hatte. Schon gar nicht über seine eigenen Daten.
Trotzdem ich nur Freunde und Bekannte bei Facebook hatte, habe ich irgendwann angefangen bewusster mit dieser Seite umzugehen.
Ich habe meinen Datenschutz ernst genommen und meine Seite nur für Freunde und Bekannte sichtbar gemacht.
Dennoch postete ich weiter meine Aktivitäten, habe eine Weile sogar aktiv Links zu Onlinepetitionen gepostet, um auf den Tier-und Umweltschutz, Menschenrecht- und schutz und ähnliches aufmerksam zu machen. Solche Beiträge habe ich sogar öffentlich geteilt.
Nach dem ich immer weniger Zuspruch fand habe ich mir die Frage gestellt, wozu ich das alles mache.

Ich habe angefangen Leute aus meiner Freundesliste zu löschen, die ich aus der Grundschule her kannte, aber keinen Kontakt mehr zu ihnen hatte.
In meiner Anfangszeit hatte ich gut 90 Freunde auf Facebook.
An meinen letzten Tagen hatte ich ca 30.
Ich hörte auf dort zu posten, löschte Benachrichtigungen von Freunden/Bekannten, weil es mich nicht interessierte, was sie zum Frühstück aßen, mit wem sie im Kino waren, oder dass sie krank im Bett liegen.


Der Knackpunkt, warum ich Facebook den Rücken kehrte war aber vor allem die Eifersucht.
Jedes Mal, wenn ich in einer Beziehung war, war es das gleiche Spiel.
Man klickt den Button "In einer Beziehung mit..", freut sich, dass man verliebt ist und zu jemanden gehört, kommt dann aber die Trennung, ist es viel unangenehmer, den Beziehungsstatus wieder zu ändern. Jeder bekommt alles mit.
Bei meiner letzten Beziehung habe ich deshalb nie eingestellt, dass ich in einer Beziehung war.
Ab und zu kam mal ein gemeinsames Bild, aber dennoch hatten wir unsere Privatsphäre.
Während den Beziehungen kam es aber zu oft vor, dass mein Partner Bilder von Frauen geliked hat, oftmals nicht nur ein oder zwei.
Das ständige Hinzufügen von Frauen, die er vom Sehen her kannte, mit denen er aber kaum was zu tun hatte, dass zwanghafte Verhalten, Freunde zu sammeln.. in meinen Augen war das alles unnötig.

Das war die Zeit, als ich mich von Facebook befreit habe, als ich die virtuellen Fesseln gelöst- und endlich frei war, von den vielen Gedanken, die mich aufgefressen haben.
Zugegeben, gab es in den letzten zwei Jahren, die ich bei Facebook verbracht habe, immer wieder Fehlversuche, Facebook zu löschen. Meine längste Abstinenz war wohl um die 3 Wochen.
Nun bin ich seit einem halben Jahr Facebook-frei und es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Ich vermisse es keine Sekunde, habe Zeit für die wichtigen Dinge im Leben und was mir besonders viel bedeutet: Ich habe meinen Wert besser kennengelernt und muss diesen nicht von Likes oder Freundeslisten abhängig machen.

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